Trauer in der Corona-Zeit

Abschiedgestaltung und Trauer in der aussergewöhnlichen Lage

Eine besondere Herausforderung in der momentanen sozialen Lebenssituation (Corona)

Das Leben steht zur Zeit für viele Menschen Kopf. Alltag und Gewohnheiten, Tagesstruktur und viele Aufgaben mussten neu organisiert werden. Viele Menschen spüren ihre Grenzen. Auf der anderen Seite fallen viele Aktivitäten, Sozialkontakte, Treffpunkte und Angebote weg. Menschen werden als Familie, als Paare oder Einzelperson isoliert und sind herausgefordert. Die Freizeit muss neu gestaltet werden. Verständnis und Auflehnung geben einander die Hand. Vernunft, verschiedene Bedürfnisse und Gefühle streiten vielleicht gegeneinander. Werte müssen neu überdacht werden. Einschränkungen durch Auflagen des Bundes, aber bei einigen auch durch die neue Finanzlage, zwingen Menschen zu Bescheidenheit und Kreativität, vielleicht auch Solidarität (auf Distanz). Nachbarschaftshilfe ist wieder hoch im Kurs 😊. Alle Themen finden sich im Abschied und der Trauer um einen geliebten Menschen.

Wenn in dieser herausfordernden Zeit ein nahestehender Mensch stirbt ist das Abschiednehmen noch herausfordernder, denn das Leben ist ab sofort nie mehr so, wie es einmal war. Eine Auseinandersetzung ist jedoch wichtig. Für die Trauerbewältigung spielt das Abschiednehmen eine wichtige Rolle. Und es ist gut sich dafür Zeit zu nehmen, denn nachholen ist schwierig. Im Moment ist jedoch Abschiednehmen noch erschwert, da die sterbenden Personen im Pflegeheim oder Spital, keine Besuche mehr haben dürfen. Nach dem Tod ist es wichtig sich bewusst Zeit zu nehmen für den Abschied und die Trauer. Daher ist die Trauerfeier  für die Angehörigen, aber auch für Freunde und Nachbarn etwas wichtiges. Es ist die Gelegenheit Erlebnisse und Ereignisse aufleben zu lassen, das Leben der Person zu würdigen, sich zu bedanken oder etwas in Ordnung zu bringen.

Das Gemeinschaftsgefühl bei einer Trauerfeier ist essenziell und hilft den Angehörigen und den Menschen, die sich mit dem Verstorbenen und/oder den Angehörigen verbunden fühlen, in der Trauerbewältigung. Nicht alleine zu sein mit dem Schmerz ist ein Trost und gibt Halt. Beim anschliessenden Leidmahl ist der Verstorbene Mittelpunkt. Es werden erlebte Geschichten erzählt, geweint und gelacht.

Was wenn jetzt plötzlich nur noch im engsten Familienkreis und ohne Leidmahl Abschied genommen werden muss. Keine Umarmung, keine Händedruck, keine Begleitung in einem schmerzvollen Abschied mehr möglich ist. Das ist für die Angehörigen schwierig, aber auch für die Menschen, denen es verwehrt ist, bei der Abschiedsfeier dabei zu sein. Dies über Wochen und Monate zu verschieben, ist keine Option, da die Trauer nicht eingefroren werden kann und für die Trauerbewältigung wichtig ist.

Rituale können helfen, unterstützen, wie auch verbinden, damit trotz allen Umständen, die Menschen die Möglichkeit haben Abschied zu nehmen, und die Angehörigen sich nicht alleine fühlen.

Kondolenzbrief mit persönlichen Worten gewinnen an grosser Bedeutung und können Trost spenden. Letzte Grussworte an den Verstorbenen, Beschriftete und/oder bemalte Kerzen oder Steine, die auf den Friedhof ans Grab gebracht werden oder den Angehörigen vor die Türe gelegt werden zu einem sichtbaren Zeichen der Verbundenheit für die Angehörigen. Es könnte eine grosse Vase am Grab aufgestellt werden, so dass Verwandte, Freunde und Nachbarn eine Rose (vielleicht mit Namen) bringen können. Durch Live stream kann die Abschiedsfeier übertragen werden. Texte, Musik und Lieder können aufgenommen werden und an Interessierte weiter geben werden, ev. auch in schriftlicher Form.

Zu Hause kann eine Ecke eingerichtet werden mit Foto des Verstorbenen, einer gleichen Kerze/Stein und Rose, die am Grab in der Vase steht und  sich auf diese Weise verbunden fühlen mit den Trauernden.

Erinnerungen/ Erlebnisse mit den Verstorbenen können aufgeschrieben und ev. der Trauerfamilie zugeschickt werden. Alle Aktivitäten können helfen die Trauer  zu bewältigen und kann zu einem persönlichen Schatz werden und zugleich sehr wertvoll für die Angehörigen sein. Vielleicht kann zu einem späteren Zeitpunkt an einer gemeinsamen Gedenkfeier solche Erinnerungen vorgelesen werden. Die Beziehungen und Vielseitigkeit einer Person kommen besonders zum Vorschein. Da kann auf das Leben des Verstorbenen nochmals mit einem Glas Wein angestossen werden.

Ich wünsche allen Trauernden viele Zeichen des Trostes und Verbundenheit, Mut, Zeit und Kreativität um die Trauer zu durchleben.

Manchmal tut ein Telefongespräch oder eine individuelle Begleitung gut. Als Trauerbegleiterin bin ich gerne für Sie da und gehe ein Stück Weg der Trauer mit Ihnen.

Ich bin gerne für sie da.

Daniela Brélaz
Trauerbegleiterin
079 259 25 43